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Ausstellung im Kunstbunker Tumulka
vom 1. Februar bis 12. März 2000
Kirchner · Ritter · Wüst
B E R L I N M I T T E

Fotografien 1982-1999
Drei Fotografen, drei Wege durch die Mitte, die sich in einem gedachten
Punkt kreuzen: dem technischen Unendlichkeitsnahpunkt, von dem
an alles Abgebildete scharf erscheint. Zwischen ihm und dem wandernden
Fluchtpunkt der Zentralperspektive erstrecken sich hintereinander unendlich
viele Schärfeebenen, die für das fotografische Abbild in eine begrenzte,
vergleichsweise winzige Fläche verdichtet werden.

Die Tiefenschärfe oder der spekulative Umgang mit ihr gibt jedenfalls
einen guten Begriff davon, was den Fotografen vorschwebte. Von Fotografie
wird erwartet, daß sie etwas zeigt. Ähnlichkeiten dieser Stadt-Fotografien
mit dem beobachteten Zustand sind ausdrücklich erwünscht.

Dem Betrachter der Ausstellung begegnet die geschundene Mitte der Hauptstadt
vor und nach dem Mauerfall. In Fotografien, die der Wirklichkeit verpflichtet
sind und gleichwohl schon zum Zeitpunkt ihrer Aufnahme der geläufigen
Wahrnehmung widersprachen. Auf dem genauen Hinsehen zu beharren und stehenzubleiben
inmitten der allgemeinen Bewegung, isoliert das Bild wie den Betrachter.

Die Zeit modelt hier schneller und gründlicher als andernorts die Gegenstände
um. Gestern angetroffene Häuser, Straßen und Plätze sind anderntags verflogen.
Topographische Realien führen in die Irre. Die Fotografen umkreisen eine
andere Wirklichkeit, entwerfen Schauplätze der flüchtigen Stadt. Ritters
Lenné-Dreieck, Wüsts Marx-Engels-Platz oder Kirchners nächtlicher
Checkpoint Charlie sind heute "fiktive Dokumente" einer vor kurzem
noch unentrinnbaren Gegenwart.

Diese erste gemeinsame Ausstellung aller drei Fotografen, in einer für
Berlin durchaus typischen Zusammensetzung, verdankt sich auch einer langjährigen
Freundschaft, die mit Wolfgang Ritter als Kurator schon eine ganze Reihe
gemeinsamer Projekte begleitet und gefördert hat.

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